Die Faszination von Freier Software

7. November 2010 um 16:07 (Aktualisiert am 7. November 2010 um 17:16)

Freie Software (Open Source) hat sich längst etabliert und kommt in vielen geschäftlichen oder behördlichen Bereichen zum Einsatz. Es finden sich zahllose Open Source Anwendungen, die professionellen Ansprüchen genügen und die dennoch frei bezogen und eingesetzt werden können. Nachfolgend eine Einführung zum Thema Freie Software.

Was ist Freie Software?

Der Grundgedanke bei Open Source ist die offene und transparente Entwicklung und die Freiheit beim Einsatz und der Weitergabe der Software. Die meisten Software-Lizenzen nehmen einem die Freiheit, die Software zu verändern oder weiterzugeben. Bei Freier Software hingegen wird es ermöglicht, den Quellcode den eigenen Bedürfnissen entsprechend anzupassen und den Original- oder den veränderten Quellcode verteilen zu dürfen. Ziel der Open Source Bewegung ist es, Software (einschließlich Quellcode) jedermann frei zugänglich zu machen, um so den freien Austausch von Informationen zum Wohle der Gemeinschaft zu gewährleisten, sowie durch die Möglichkeit der Einsicht in den Quellcode und die daraus resultierende unabhängige Kontrolle und Entwicklung zuverlässige und sichere Software zu schaffen.

Es gibt eine ganze Reihe von Open Source Lizenzen. Die GNU General Public License (GPL) ist dabei am weitesten verbreitet. Sie besagt, das alle Programme und deren Weiterentwicklungen, die in irgendeiner Form GPL-lizenzierten Programmiercode enthalten, wiederum unter der GPL veröffentlicht werden müssen. Hintergrund dieser Forderung ist unter anderem, dass ein eventuelles Copyright die Freiheit beim Einsatz der Software einschränkt, da es denen Privilegien einräumt, die die Software lizenziert haben. Der Verleger Tim O’Reilly vergleicht die Entwicklung von Freier Software mit wissenschaftlicher Arbeit:

“Wissenschaft funktioniert vor allem deshalb, weil sich das erworbene Wissen dadurch vermehrt, dass ein reger Austausch untereinander und eine gegenseitige Kontrolle stattfindet. Dasselbe gilt für Open-Source. Die Entwickler arbeiten zusammen, korrigieren Bugs und bringen neue Ideen ein. Das führt zwangsläufig zu der These, dass man Software nicht als Wirtschaftsgut ansieht, sondern als gesellschaftliches Allgemeingut. Ihr Verkauf mag einzelnen nützen, der Gesamtheit jedoch schadet er.”

Insbesondere als Gegensatz zu der stetig wachsenden Anzahl von Patenten und den damit verbundenen zweifelhaften exklusiven Nutzungsrechten, fördert die Open Source Philosophie den Grundgedanken der Freiheit und Solidarität. Diese Philosophie ist nicht auf die Software-Entwicklung beschränkt, sondern findet unter anderem auch Ausdruck im Kampf gegen Biopatente. Richard Stallman (Gründer der Free Software Foundation) fasst es so zusammen:

Patente auf Pflanzen und Tiere sind ein Angriff auf die Bauern, die ihre Arbeit tun. Patente auf Software sind ein Angriff auf Programmierer, die ihre Arbeit tun.

Freie Software bietet folgende Freiheiten:

  • die Software unbegrenzt und für jeden Zweck verwenden zu dürfen
  • die Software untersuchen und sie den eigenen Bedürfnissen anpassen zu dürfen
  • die Software kopieren und weiterverteilen zu dürfen
  • die Software zu verbessern und diese Verbesserungen veröffentlichen zu dürfen

Einige der Vorteile von Freier Software

  • Flexibilität
    aufgrund des offenen Quellcodes kann die Software den eigenen Bedürfnissen entsprechend angepasst werden
  • Effizienz
    Softwarecode aus anderen Open Source Projekten kann benutzt werden, so dass der Programmieraufwand auf ein Minimum reduziert wird
  • Transparenz
    bei Open Source sind alle Vorgänge transparent im Gegensatz zu geschlossener Software
  • Unabhängigkeit
    kein Lizenzvertrag behindert den Anwender seinen Anbieter zu wechseln
  • Stabilitätität
    das Finden und Korrigieren von Fehlern geht in der Regel schneller durch die Vielzahl von Entwicklern
  • Kostenfreiheit
    für die Beschaffung von Freier Software entstehen in der Regel keine Kosten

Einige der Nachteile von Freier Software

  • Haftungsfragen
    in der Regel ist bei Open Source Software ein Haftungsausschluss vorgesehen
  • Dokumentation
    manchmal ist Freie Software schlecht dokumentiert, so dass der Anwender Know-How mitbringen muss
  • Support
    es gibt keinen Anspruch auf Support, wobei der Support häufig durch Communities gewährleistet wird
  • Lizenzen
    es sind viele verschiedene Open Source Lizenzen entstanden, die teilweise schwer zu verstehen sind

Die Geschichte von Freier Software

Die Geschichte von Freier Software geht bis in die Anfänge der Computerindustrie zurück. Software wurde bis Mitte der Sechziger Jahre kostenlos mit einem neuen Rechner ausgeliefert, beziehungsweise entwickelten die Anwender ihre Software selbst. Das Computergeschäft bestand hauptsächlich aus dem Verkauf und der Wartung der PC-Hardware.

Anfang/Mitte der Siebziger Jahre wurde deutlich, dass mit Hilfe von Lizenzverträgen viel Geld bei der Softwareentwicklung zu verdienen ist. Diese Lizenzverträge sahen vor, dass die Weitergabe der Software von einem Anwender auf einen anderen verboten wurde. Die Quellcodes der Programme wurden zu einem Geheimnis der Software-Industrie. Die Anzahl der frei verfügbaren Quellcodes nahm rapide ab. Vereinbarungen, die zur Verschwiegenheit verpflichteten, hinderten Programmierer an der freien Weiterentwicklung ihrer Produkte.

Maßgeblich für die Open Source Bewegung war die Geschichte der Entwicklung des Betriebssystems Unix. 1969 wurde die erste Unixversion von Ken Thompson und Dennis Ritchie im Auftrag von AT&T entwickelt. Aufgrund eines Kartellrechtsprozesses war AT&T an der kommerziellen Vermarktung von Unix gehindert und lieferte es deshalb gegen einen geringen Betrag an Universitäten aus. Das Ergebnis war eine rege Entwicklungstätigkeit in diesem Umfeld.

Im Jahre 1984 ermöglichte man AT&T nach einem weiteren Kartellrechtsprozess die kommerzielle Verwertung von Unix. Die Lizenzgebühren wurden daraufhin stark angehoben, sowie der Zugriff auf den Quellcode unterbunden. Unzufrieden mit dieser Entwicklung gründete Richard Stallman (Massachusetts Institute of Technology) 1984 das GNU-Projekt mit dem Ziel, ein freies Unix zu ermöglichen. Daraufhin erfolgte die Gründung der Free Software Foundation, die als Koordinationsstelle für die im Rahmen des GNU-Projektes erstellte Software fungierte. Es entstanden viele Projekte, die ausdrücklich als Freie Software entwickelt wurden.

Weitere wichtige Meilensteine in der Open Source Entwicklung sind Entwicklung des Betriebssystems Linux durch Linus Torvald und die Freigabe des Quellcodes des Internetbrowser Navigator durch Netscape. Dies löst ein enormes Medienecho aus, wodurch viele mit der Open Source Philosophie konfrontiert werden.

Zu Beginn des Jahres 1998 wurde der Begriff Open Source aus der Taufe gehoben. Kurze Zeit später wurde das erste internationale Open Source Gipfeltreffen in Kalifornien veranstaltet. Dort wurde beschlossen, den Begriff Open Source an Stelle von ‘Free Software’ zu fördern, da das Wort ‘free’ im Englischen neben frei auch kostenlos bedeutet. Und Software, die nichts kostet, wirkt auf viele Unternehmer unseriös. Die Förderung des Begriffes Open Source wird vor allem von der Open Source Initiative (OSI) aus Marketinggründen vorangetrieben.

Demgegenüber hat sich in der europäischen Open Source Bewegung der Trend entwickelt, weiterhin (oder wieder) von Freier Software (Free-Software) zu sprechen. Insbesondere der europäische Ableger der Free Software Foundation fördert diese Begriffe, da nach Ansicht der FSF der Begriff Free-Software die Philosophie der freien Software besser zum Ausdruck bringt, als der Begriff Open Source.

Open Source versus Open Core

Open Source wurde in den letzten Jahren von vielen Software-Anbietern als Geschäftsmodell entdeckt. Dabei wurde häufig eine Open Core Strategie verfolgt. Bei Open Core steht die Kernsoftware als Open Source zur Verfügung. Diese Kernsoftware wird mit proprietärer Software ergänzt. Open Source ist vergleichbar mit dem Shareware-Vertrieb, bei dem die Basisfunktion einer Software kostenfrei ist, zusätzliche sinnvolle oder notwendige Funktionen jedoch nur gegen Bezahlung erhältlich sind.

Der Sinn dieser Strategie ist unter anderem, dass durch die proprietäre Software eine kommerzielle Bindung zu den Nutzern der Kernsoftware geschaffen wird. Es entstehen also Unfreiheiten, die sich vielleicht für manche Nutzer dieser proprietären Software rechnen, die aber sicherlich nicht im Einklang mit der oben beschriebenen Open Source Philosphie sind. Ob die Strategie Open Core auf Dauer bestehen bleibt, lässt sich derzeit nicht sagen. Zum Thema Open Core ist der Artikel Offener Kern, geschlossenes Herz? und der Kommentar Open Core ist vorbei sehr lesenswert.

Weitere Links zu Freier Software

Dieser Artikel wurde am 7. November 2010 um 16:07 von Stefan Kanitz geschrieben (aktualisiert am 7. November 2010 um 17:16) und unter der Kategorie Open-Source archiviert. Du kannst diesen Artikel kommentieren oder einen Trackback auf Deinen Blog setzen. Die Kommentare lassen sich per RSS Feed oder per Mailbenachrichtigung verfolgen.

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